Volksfeste in Thüringen

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Geraer Höhlerfest

In Gera wird seit 1991 mit dem Höhlerfest, in dem die "Geraer Höhler" im Mittelpunkt stehen, eine neue Volksfest-Tradition begründet.

Zum Höhlerfest wird der Geraer Marktplatz im Herzen der Stadt zur Showbühne. Rund um die Salvatorkirche unterhalten Ritter, Musiker, Gaukler und die verschiedensten Gewerke die Besucher in einer mittelalterlichen Atmosphäre, sowie vor dem Kultur- und Kongreßzentrum sorgen Schausteller für Spaß und Kurzweil. Der Verein zur Erhaltung der Geraer Höhler zeigt während des Festes zugängliche Höhler im Marktbereich.

Zur Geschichte:
Gera, im Jahre 995 erstmals erwähnt, wurde 1237 zum ersten Mal als Stadt genannt und ihre Einwohner als Bürger bezeichnet. Verkehrsgünstig am Kreuzungspunkt regionaler Landstraßen gelegen, entwickelte sich die Stadt zu einem gewerblichen Zentrum Ostthüringens. Die Tuchmacher bildeten sich als bedeutendste Zunft heraus und boten ihre Erzeugnisse bereits 1401 auf der Naumburger Messe und seit 1436 auf der Leipziger Messe feil.
Aber auch der Weinanbau und die Bierbrauerei haben in Gera eine lange Tradition. Das Braurecht war bereits im ältesten schriftlich überlieferten Stadtrecht von 1487 an den Hausbesitz der Bürger gebunden. Da es zugleich auch mit dem Schankrecht verknüpft war, brachte seine Ausübung beträchtliche finanzielle Vorteile. Klimaverschlechterungen und die damit verbundene nachlassende Weinqualität führten Ende des 16. Jahrhunderts zu einem enormen Aufschwung der Bierproduktion.
Geras Bier galt damals als das Beste im Land. Im 18. Jahrhundert soll die Stadt das Braurecht für 31 Dörfer und ca. 5000 eigene Bürger besessen haben. Die 15 vorhandenen Kneipen zeigten ihren Ausschank durch einen verzierten "Holzarm" an – eine Tradition, die jährlich mit der Verleihung der "Bierstange", als Zeichen bester Thüringer Gastlichkeit, anlässlich des Höhlerfestes wieder auflebt. Da die normalen Keller der schmalen Häuser den gewachsenen Anforderungen nicht mehr genügten und auch nicht kühl genug waren, wurden unter den brauberechtigten Häusern tiefe Höhler gegraben. Damit boten sich den Bergleuten aus dem unwirtschaftlich gewordenen Kupfer- und Silberabbau in der Umgebung der Stadt neue Arbeitsmöglichkeiten. Ursprünglich nur vom Haus des Eigentümers zugänglich, wurden die Höhler im 2.Weltkrieg als Luftschutzkeller genutzt und deshalb teilweise miteinander verbunden.
So entstand vom 16. bis 19. Jahrhundert ein unterirdisches Labyrinth aus Gängen und Nischen, fünf bis elf Meter unter der Erde, teilweise in zwei Solen untereinander – die "Geraer Höhler". Vermessungen ergaben für die etwa 220 nachgewiesenen Höhler eine Gesamtlänge von knapp neun Kilometern. Ein kleiner Teil davon – zehn Höhler mit einer Länge von 250 Metern – ist inzwischen als Führungsobjekt erschlossen und führt 161 Stufen treppauf und treppab. Hier werden für die Besucher der Transport und die Lagerung des Bieres, aber auch die spätere Nutzung der Höhler, dargestellt. Das Museum im Höhler Nr. 188 bildet die natürliche Umgebung für die Dauerausstellung "Minerale und Bergbau Ostthüringens". Ihre Exponate geben einen Überblick über den Gold-, Silber- und Kupfer-, vor allem aber den Eisenerzabbau in den vergangenen Jahrhunderten sowie die weiträumige Gewinnung von Uranerz.