Thüringer Köpfe

zurück

Eugenie Marlitt (1825 - 1887) und die "Gartenlaube"

Eugenie Marlitt

Ernst Keil, der Gründer und Redakteur der Zeitschrift "Gartenlaube", wollte eine Zeitung für die Familie, die anheimelnd und zu Herzen sprechend sein sollte.

Das Blatt hatte allerdings den Ruf, trivial und spießig zu sein. Man vergaß all zu oft, daß darin u. a. auch Romane von Theodor Fontane und Gedichte von Hoffmann von Fallersleben veröffentlicht wurden.

Dass diese Zeitung dennoch ein großes Echo fand, war der Autorin Eugenie Marlitt aus Arnstadt, zu verdanken, die mit ihren Romanen diese Zeitung sehr geprägt hatte.


Zu Unrecht zählte man auch ihre Schriften viele Jahre zur Trivialliteratur; denn sie enthielten viele Elemente, die ihre Zeit und besonders die Probleme der Frauen widerspiegelten.

Ihr Roman "Die zweite Frau" hatte zum Beispiel die Frauengemüter so sehr bewegt, daß einige Betroffene sich hilfesuchend an die Redaktion der "Gartenlaube" wandten.

Zeitschrift "Die Gartenlaube"

So wurde zum Beispiel folgender Ratschlag erteilt: Sie sind unzufrieden, verweisen auf "Die zweite Frau" und beanspruchen mehr Glück in der Liebe als Sie gefunden. In Ihrem Gatten achten Sie zwar den Ehrenmann, aber Sie vergleichen die glühenden Briefe des Bräutigams mit dem jetzigen ruhigen Wesen des Ehemannes und beschweren sich über Abnahme der Leidenschaft, über kalten Egoismus der Männlichkeit. Und sind doch so glücklich Mutter zu sein! Erlauben Sie, daß ich Ihre Klagen mit den Ansprüchen zweier deutscher Dichter zu beantworten suche: Jean Paul sagt etwas nüchtern, aber jedenfalls richtig: "Wenn das Weib liebt, liebt es in Einem fort - der Mann hat dazwischen zu tun". Und Gustav Freytag fragt in seiner erzählenden Dichtung: "Waren es Deine Tränen oder war es Dein Lachen, womit Du sein Herz umstrickt hast? Ich denke wohl, mit Lächeln begann's und Tränen folgten; das ist das Schicksal Aller, welche einander lieb haben auf dieser Erde."